
Frohe Festtage...and a happy new Year:)
tiefrgündige Erfahrungsberichte von einem Schweizer, der aufbrach in Kölle (Germany) sein Glück zu suchen.
Heute vor 7 Wochen machte ich mich zum ersten Mal auf den Weg zu RTL. Das hiess: Raus aus dem Bett, rein in die Schuhe, 10min. laufen, 20 min. Tram fahren und schliesslich im Vorort Junkersdorf ankommen. Drei grosse Gebäude mit riesigen Satellitenschüsseln erblickte ich gleich gegenüber der Haltestelle; unverkennbar der Hauptsitz von RTL. Ich machte mir Gedanken: In der Schweiz spricht man wenig von Köln, eher von München, Hamburg und natürlich von Berlin. Wieso also ist der grösste deutsche Privatsender in der Domstadt?! Nun ja, so richtig weiss ich das auch nicht, aber RTL heisst ja Radio Television Luxemburg und der Kleinstaat (eben Luxemburg) ist ja nicht so weit von hier. Vielleicht wollte der Sender bei der Expansion nach Deutschland nicht zu weit weg, um bei möglichem Misserfolg rasch wieder zurückverduften zu können, oder er hatte auf dem nach Berlin Reisekoller und blieb am Rhein. Wahrscheinlicher jedoch ist die Erklärung, dass Köln traditionsgemäss eine Medienstadt ist. Der WDR, grösstes Drittprogram des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens und als solches massgeblich beteiligt an der Produktion der ARD-Sendungen, hat seinen Sitz mitten in der Innenstadt. Ausserdem senden Vox, und N-TV
von Köln aus und zwei grosse Studiokomplexe in den Vororten Hürth und Ossendorf machen die Stadt zum grössten Produktionsstandort im deutschsprachigen Raum. Viele Shows von den RTL-Konkurrenten Sat.1 und Pro7 werden hier gedreht (Nur die Liebe zählt (herzschmerz), alles von Raab und Elton und auch die vielen tollen Richtersendungen (Justiz ist ja gar nicht öde;)), -und auch Kinofilme wie die "mehr oder weniger lustigen sieben Zwerge im Wald und später auch in der Stadt" und der neue CH-Kinohit?! "Tell" entstanden hier ganz oder zumindest teilweise.
Diese Darstellerin hat meine Krimi-Abende in meinen Teenagerjahren geprägt, jetzt ist Evelyn Hamann tot. "Adelheid und ihre Mörder" war eine super Serie mit ganz eigenem Charme. Der sture, unfähige Chef, der ewigs verschnupfte Mitarbeiter, der Angsthase…und sie, klar eine der sympathiesten Emanzen, eigentlich nur Sekretärin, aber in Wirklichkeit diejenige, die die Fälle löst und das jeweils mit Bravour! Sie ruhe in Frieden…Wenn einem das mal zu blöd wird, bricht man aus, schaut sich Kölle an und turnt auf dem Dom herum! Eine super Überleitung zu den folgenden Bildern, viel Spaß…
Achtung persönlich gefärbt:
Heute Morgen bin ich aufgewacht in Köln und es regnete zum ersten Mal richtig fest! Ein schlechtes Omen? Als ich die ersten Wahlresultate aus der Schweiz im Internet las war es eigentlich klar: der Himmel wusste den Ausgang natürlich bereits vorher und schickte mir die Trauerbotschaft in Tropfen zum Frühstück. Das Wetter trauert mit mir. Naja, die restlichen Kölner dürften die Schweizer Parlamentswahlen wenig interessieren, die dachten wohl, typisches Herbstwetter, -und nahmen den Regenschirm hervor.
Auch wenn Petrus und seine Kumpanen hoffentlich wichtigeres zu tun haben als sich um schweizerisches Wahlkampfgeplänkel zu scheren und sie nicht einfach links- oder rechts, sondern hoffentlich vor allem über der Sache stehen,- ganz irrelevant ist so eine Parlamentswahl sicher nicht. Offenbar wählen immer mehr Menschen eine Partei, die außer laut rumschreien und ständig zu provozieren wenig liefert für den Staat, die wenig für Kultur und nichts für kulturelle Vielfalt tut und die mit ihren Kampagnen Angst und Ausländerfeindlichkeit fördert. Das ist doch traurig! Vier Prozent und neun Sitze Verlust: ein klares Debakel für die SP!
Doch Wahlkampf ist Showtime und die Show hat die Linke offensichtlich schlecht inszeniert. Während die nun siegreiche SVP in den letzten Wochen ständig in den Medien war und mit ihrer Wahlkampagne polarisierte, war von der SP sehr wenig zu hören, sie reagierten nur und brachten es nicht fertig mit eigenen Themen in die Schlagzeilen zu kommen. Hierzu habe ich einen interessanten Artikel auf Spiegel Online gelesen (Artikel). Den Menschen in der Schweiz geht es momentan wohl zu gut, um sich groß für die sozialen Themen zu interessieren, deswegen ist es für die linken Parteien wieder schwieriger geworden. Andererseits haben wir auch kein wirkliches Ausländerproblem und die SVP gewinnt trotzdem die Wahlen damit?! Die Leute lassen ich stark von charismatischen Köpfen und starker Präsenz beindrucken und von plakativen Schlagzeilen überzeugen und nicht unbedingt von tiefgründigen Inhalten und das hat vor allem die SVP und zu wenig die SP verstanden.
Aber Politiker zu sein ist sicher nicht einfach: da wären die ideologische Gesinnung, dann die harzige politische Realität und schließlich sollte man noch Kommunikationsexperte, ja fast Schauspieler sein, um beim Volk zu überzeugen. Doch dies muss man wohl vereinen können, wenn man gewählt werden will und ich wünsch der Mitte und der Linke mehr von solchen Köpfen für die Zukunft! Ja, gut hast du's natürlich, wenn du dich nicht verstellen musst, Blödsinn labern kannst, dich als totales Ekel gibst und damit auch noch erfolgreich bist! Klar, das gibt es ja auch in der Politik;). Aber den Anderen bleibt heute nur der Trost, dass wir eine Konkordanzregierung haben und nicht vier oder acht Jahren den Einen Typen und seine Partei an der Macht haben. Die Schaffhauser haben ja jetzt auch einen SVP Nationalrat, mein Vater wird wieder sagen, was für ein Provinznest, und nach Zürich auswandern wollen, -aber ehrlich Papa: nach Zürich? Schau dir da mal die Resultate an, ich meine, wir haben doch immerhin noch den roten Präsidenten und der ist auch noch beliebt! Gute Nacht!